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Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik (4/4)

3.4 Die Überwindung der Wirtschaftskrise 1932 - 1937

Als sich unter Brüning keine Besserung der Situation abzeichnete, ergriffen die Gewerkschaften die Initiative und ließen den WTB-Plan erstellen. Man ging davon aus, dass eine Überwindung der Krise nur noch möglich war, indem die Regierung durch Geldschöpfung die Konjunktur belebte. Man widerlegte den Einwand, dass die vorgeschlagene Geldschöpfung eine unkontrollierbare Inflation hervorrufen müsse.
Endgültig überzeugen konnte man Brüning und den Reichsbankpräsidenten davon nicht, weshalb der Plan nicht vollständig umgesetzt werden konnte. Dennoch konnte man sich auf darauf einigen, Teile des Programms durchzusetzen. 135 Mio. Reichsmark sollten auf legalem Weg, zur Subventionierung verschiedener Baumaßnahmen, geschöpft werden. Brüning selbst ließ diese Maßnahmen nicht mehr durchführen. Am 30. Mai 1932 trat er von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger Papen setzte seine späte Politik fort und erweiterte sie, indem er Anreize zur Wiedereinstellung entlassener Arbeitskräfte und Steuererleichterungen durchsetzte. Außerdem wurde die Subventionspolitik weiter ausgeweitet.
Hitler, der nach einer innenpolitischen Krise 1933 Reichskanzler wurde, profitierte von der Politik Papens, da sich diese nun erfolgreich als zeigte. Die sich einstellende Verbesserung der Beschäftigungssituation brachte der NSDAP breite Unterstützung in der Bevölkerung, da man diese ersten Erfolge als Frucht der eigenen Politik ausgeben konnte.1937 erreichte die Wirtschaft unter der nationalsozialistischen Regierung Vollbeschäftigung. Mittel zur massiven Arbeitszahlreduzierung waren staatliche, durch Geldschöpfung finanzierte, Arbeitsmaßnahmen, Vergrößerung der Armee und die Ausgliederung von Frauen aus dem Arbeitsmarkt. Auch die Vertreibung und Deportation von Juden und politischen Gegnern in Konzentrationslager, wirkte sich positiv auf die Arbeitslosenquote aus.

4. Schlussbetrachtung

Betrachtet man die wirtschaftliche Entwicklung der Weimarer Republik, stellt man fest, dass die großen Krisen, die am Anfang und Ende der Demokratie standen, in mehreren Punkten in enger Verbindung miteinander stehen. Zwar waren die Bedingungen, aus denen sich die Krisen entwickelt haben, vollkommen verschieden, dennoch reicht eine von der Inflation abgekoppelte Untersuchung der Wirtschaftskrise nicht aus. Vor allem die Erfahrungen und Folgen, die aus der Inflation heraus entstanden, spielen eine Schlüsselrolle in der Wirtschaftskrise. Als Beispiele kann man die Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft von ausländischem Kapital nennen, deren schneller Abzug das Bankensystem zu Fall brachte. Auch Brünings anfängliche Zurückhaltung was staatliche Investitionen anbelangt, lässt sich zu einem Teil aus der Angst vor einem erneuten Wertverfall der Währung erklären.
Doch nicht nur dieser Faktor ist psychologischer Natur. Ausländische Investoren knüpften ihre Investitionen stark an die politische und wirtschaftliche Stabilität der Weimarer Republik, wie die Kreditabzüge 1930 beweisen. Auch dieses Nicht-Vertrauen in die Republik findet ihre Wurzeln in den Erfahrungen aus der Inflationszeit.
Abschließend kann man sagen, dass die Wirtschaftskrise in Deutschland aus der Kombination von äußeren und inneren Einflüssen entstanden ist und weder innere noch äußere Faktoren allein ausgereicht hätten, um dieses Krisenausmaß entstehen zu lassen. Dennoch würde ich sagen, dass vor allem Brünings deflationäre Politik der entscheidende Fehler war, denn allein der Finanzabzug und Protektionismus anderer Staaten hätten nicht ausgereicht. Zwar hätte ein kluge Investitionspolitik von staatlicher Seite und das Schaffen von Konsumanreizen die Krise nicht vollkommen abwenden, aber stark abschwächen können. Vielleicht wäre auf diesem Wege auch die nationalsozialistische Herrschaft verhindert worden, denn eines zieht sich durch die komplette Geschichte der Weimarer Republik: In Zeiten wirtschaftlicher Rezession erstarkten extreme politische Richtungen.

5. Literaturverzeichnis

Monographien:

-F. Blaich, Der Schwarze Freitag - Inflation und Wirtschaftskrise, München, 1990
-T.E. Hall, J.D. Ferguson, The Great Depression - An International Disaster Of Perverse Economic Policies, Michigan, 1998
-R. Meister, Die große Depression - Zwangslagen und Handlungsspielräume der Wirtschafts- und Finanzpolitik in Deutschland 1929 - 1932, Regensburg, 1991
-D. Rothermund, The Global Impact Of The Great Depression 1929-1939, London/New York, 1996
-A. Schildt, Die Republik von Weimar, Goldbach, 1997

Aufsätze:
-G. Meyer, Die Reparationspolitik - Ihre außen- und innenpolitischen Rückwirkungen, in: K.D. Bracher, M. Funke, H.-A. Jacobsen (Hrsg.), Die Weimarer Republik 1918-1933 - Politik, Wirtschaft, Gesellschaft; Bonn, 1988

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