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Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik (2/4)

2.1.2 Folgen der Inflation

Trotz der negativen Folgen der Inflation, wie der Vernichtung von angelegtem Privatvermögen oder den Problemen bei der Versorgung der arbeiteten Bevölkerung, hatte sie auch Vorteile für die Gesellschaft, Wirtschaft und Regierung der Weimarer Republik.
Durch den Wertverlust des Geldes war es Staat, Gemeinden und privaten Schuldnern möglich ihre Schulden abzuschütteln. Man zahlte den Nennwert der Schuld zurück, obwohl auch hohe Beträge im Grunde wertlos waren. Laut Blaich hätte die 154 Mrd. Mark betragende inneren Kriegsschuld am 15. November 1923 1913 eine Kaufkraft von 15,4 Pfennig.
Ein weiterer positiver Effekt der Inflation war die Investitionsfreudigkeit der Unternehmer. So war es möglich, die hohe Zahl an Arbeitslosen, die durch die Rückkehr der Soldaten aus dem Krieg verursacht wurde, schnell abzubauen. Zusätzlich gelang es innerhalb von vier Jahren die Industrieproduktion auf 80% der Vorkriegsjahre zu bringen, obwohl die Wirtschaft 1919 nur noch 37% der Vorkriegsleistung erreichte. Beim Wiederaufbau der Wirtschaft half ein durch den Wertverlust der Mark hervorgerufener Vorteil beim Export. Preiskontrollen, die künstlich niedrige Preise erzeugten, machten die Produktion in der Weimarer Republik billiger als im Ausland, wo der verbreiteten Währungskrise mit deflationärer Politik begegnet wurde.Mit der Ruhrgebietsbesetzung und dem Beginn der Hyperinflation brach die Wirtschaft allerdings wieder ein, sodass die Arbeitslosigkeit Ende 1923 einen Stand von 23,4% erreichte.

2.2 Der Weg aus der Währungskrise

International wurde eine Stabilisierung der deutschen Wirtschaft immer wichtiger, da alle kriegsbeteiligten Staaten auf die deutschen Reparationen angewiesen waren. Frankreich, England, Belgien und Italien waren bei den USA verschuldet und nutzten die deutschen Zahlungen, um ihre Schulden zu tilgen. Die USA brauchten diese Kreditrückzahlungen zur Haushaltskonsolidierung, die ansonsten nur durch unpopuläre Steuererhöhungen möglich gewesen wäre.
Im Januar 1924 trat deshalb eine Expertenkomitee unter der Leitung C.G. Dawes zusammen, um einen Weg zu finden, die deutsche Wirtschaft zu stabilisieren und die Reparationen auf ein, für das Land, erfüllbares Maß zu bringen. Ergebnis des Expertenausschusses war der Dawes-Plan. Zur Sicherung der Wirtschaft legte man fest, dass die wirtschaftliche Einheit der Weimarer Republik gewahrt werden musste. Damit sprach man sich gegen den französischen Plan eines abgetrennten Ruhrgebiets aus. Weiterhin sollten die Reparationszahlungen die wirtschaftliche Erholung nicht im Keim ersticken, weshalb man festlegte, dass die Zahlungen an der Leistungsfähigkeit des Landes gemessen werden sollten.
Zur Stabilisierung der Währung legte man die Privatisierung der Reichsbank fest. Man wollte verhindern, dass es erneut zu einer Ausnutzung von Krediten durch die Regierung kam. Überwacht werden sollte dies durch alliierte Vertreter im Direktorium der Reichsbank.
Die Zahlungen der Reparationen sollten aus dem Reichsetat und Obligationen auf Bahn und Industrie erfolgen. Die Schuldverschreibungen auf Reichsbahn und Industrie hatten zusätzlich den Sinn der Währungsstabilisierung, da so nur ein Teil der Zahlungen aus dem Staatshaushalt finanziert werden musste.
Innenpolitisch bekämpfte man seit Ende 1923 die Inflation mit der Einführung der Rentenmark, einer Binnenwährung, deren Deckung der Grund und Boden des Reiches war.

3. Wirtschaftsblüte und Wirtschaftskrise 1924 - 1937
3.1 Konjunktureller Aufschwung 1924 - 1929

1924 gelang es der Regierung Stresemann den Staatshaushalt auszugleichen. Möglich war dies nicht nur wegen der Reparationsentlastung durch den Dawes-Plan, sondern auch durch eine internationale Anleihe, größtenteils aus den USA, in Höhe von 800 Mio. Reichsmark. Diese blieb nicht der einzige Kredit, den Deutschland in den nächsten Jahren aus dem Ausland erhielt. Zur Finanzierung des Aufschwungs waren Kredite unbedingt nötig. Da die Reichsbank eine Kreditrestriktion betrieb, um die Währungsstabilität zu sichern, mussten Kreditnehmer auf ausländische Kreditgeber zurückgreifen. Die Abhängigkeit von Auslandskrediten zeigte sich in der späteren Wirtschaftskrise als Gefahr und schon zur Zeit der Blüte wurde sie kritisch als "Konjunktur auf Pump" bezeichnet.
Den konjunkturellen Aufschwung kann man nicht als konstant betrachten. Immer wieder kam es zu Einbrüchen und steigenden Arbeitslosenzahlen. Vollbeschäftigung gab es nur in relativ kurzen Phasen (April 1924 bis Oktober 1925, Juli bis Oktober 1927). Die restliche Zeit blieb die Arbeitslosenquote teilweise knapp, teilweise deutlich über 5 Prozent. Zur Versorgung der Arbeitslosen wurde 1927 die "Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung" gegründet. Dass sich die Unterstützungdauer auf nur 26 Wochen belief, zeigt, dass man von einer großen Wirtschaftskrise nicht ausging. Eher sollten die konjunkturellen Schwankungen ausgeglichen werden.
Als im Winter 1929/1930 die Arbeitslosenzahlen auf 3.37 Mio. kletterten, wurde dies nicht als Anzeichen einer gefährlichen Krise betrachtet, sondern als saisonbedingter Einbruch. Man glaubte, an einen Rückgang der Arbeitslosenzahl während des Frühjahrs und Sommers, wie in den Jahren zuvor. Dieser Aufschwung blieb allerdings aus. Im Mai waren immernoch 2.64 Mio. Arbeitslose gemeldet.

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