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4Jun/100

Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik (1/4)

1.Einleitung

Die zwanziger Jahre werden, auch in Deutschland, gern als die "Goldenen Zwanziger" bezeichnet, als eine Zeit der politischen und kulturellen Befreiung. Falsch ist diese Aussage nicht, betrachtet man nur die Entwicklungen auf geistiger und kultureller Ebene. Beschäftigt man sich allerdings intensiver mit der Weimarer Republik, geht viel vom goldenen Glanz verloren. Nicht nur Kunst und Kultur, sondern auch politische Machtkämpfe und wirtschaftliche Krisen bestimmten die Tagesordnung der ersten deutschen Demokratie. Gegenstand dieser Arbeit sollen vor allem der wirtschaftliche Aspekt dieser Zeit sein, von der Währungskrise anfang der zwanziger Jahre über die "Dollarscheinblüte" bis zum wirtschaftlichen Zusammenbruch und dem damit verbundenen Ende der Weimarer Republik. Interessant ist dabei besonders inwieweit die beiden großen Krisen miteinander verbunden sind und internationale Faktoren diese beeinflusst haben. Eine weitere Frage ist, ob die Wirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre vermeidbar gewesen wäre, hätte die politische Führung anders auf sie reagiert.

2. Die große Inflation

Die ersten Jahre der Weimarer Republik waren gezeichnet von dem stetigem Verfall der Kaufkraft der Reichsmark, bis zur Hyperinflation ab Dezember 1922. Konnte man im Juli 1914 noch Papiermark eins zu eins in Goldmark tauschen, tauschte man am 21. Oktober 1922 1000:1 und am 20. November 1923 eine Goldmark zu 1.000.000.000.000 Papiermark. Begann die Inflation anfangs kaum merkbar, fiel der Wert der Papiermark 1923 beinahe stündlich. Im In- und Ausland verlor die Weimarer Republik durch die Inflation an Vertrauen. Zusätzlich erschwerte die Währungskrise die Zahlungen der im Versailler Vertrag festgelegten Reparationen. Als Deutschland 1922 mit den Zahlungen in Verzug kam, wertete die französische Regierung dies als vorsätzlichen Bruch der Bestimmungen und ließ das Ruhrgebiet besetzen. Gefolgt wurden derartige Ereignisse von einem weiteren Wertverlust der Mark. In diesem speziellen Fall wurde die Hyperinflation eingeleitet. Erst Ende 1923 gelang es der Regierung Stresemann durch die Einführung der Rentenmark und mit Hilfe des Dawes-Planes die Währungskrise zu überwinden.

2.1 Ursachen und Folgen der Inflation
2.1.1 Ursachen der Inflation

Ihren Beginn fand die Inflation in Entschlüssen, die bereits kurz nach Beginn des ersten Weltkrieges von der kaiserlichen Regierung gefasst wurden.
Nach dem Ausbruch des Krieges wurde eine Handelsblockade (Seeblockade durch England) über das deutsche Reich verhängt, sodass die Reichsregierung den Krieg aus dem inländischen Sozialprodukt finanzieren musste. Der ständige Bedarf an Material wurde aus dem Binnenmark gezogen, was zu einer ständigen Verknappung von Waren und so zur Preissteigerung führte. Um die Inflation aufzuhalten, hätte man nun die im Umlauf befindliche Geldmenge verringern müssen, was gleichzeitig die Deckung der Kriegskosten gesichert hätte. Doch anstatt Steuern zu erheben, entschied man sich zur Finanzierung durch Kriegsanleihen, vor allem auch, da direkte Steuern nur von den Bundesstaaten erhoben werden konnten.
Obwohl im späteren Verlauf des Krieges Steuern erhoben wurden, stellten diese nicht den Hauptanteil der Kriegsfinanzierung dar, sondern Kriegsanleihen. Das Versprechen die Anleihen mit Zinsen an ihre Zeichner zurückzuzahlen, stürzte das Reich in Schulden, die man nach dem Sieg aus Reparationen der Kriegsgegner tilgen wollte. Doch selbst die erfolgreich angelegten Kriegsanleihen konnten die Kosten, die der Krieg verursachte, nicht decken. Schon vor dem Krieg konnte die Regierung finanzielle Engpässe mit Hilfe von kurzfristigen Krediten bei der Reichsbank überbrücken. Der Kreditrahmen war, wie man schon zu Kriegsbeginn erkannte, zu eng, um den Bedarf zu decken. Aus diesem Grund wurden 1914 mehrere Gesetze verabschiedet, die der Regierung uneingeschränkte Zugang zu Krediten ermöglichte. Dies sollte die Deckung der Währung nicht beeinflussen, die Deckungsvorschrift blieb erhalten. Da man staatliche Schuldscheine als Sekundärdeckung für Banknoten akzeptierte, konnte die Regierung jede benötigte Menge Geld durch Reichswechsel decken, was den Sinn der Sekundärdeckung außer Kraft setzte. Bis dahin gelang es noch die Golddeckung aufrecht zu erhalten, dann brach auch diese unter der Belastung der ständig neuen Kredite zusammen. Auf diesem Weg stieg auch die Zahl der im Umlauf befindlichen Banknoten.
Die einsetzende Inflation blieb allerdings auf einem Niveau, wie man auch bei anderen kriegsführenden Ländern beobachten konnte. Schwierig wurde die Situation erst nach dem Krieg, da die Umstellung der Wirtschaft sich auf Friedensproduktion schwierig gestaltete. Durch Gebietsabtretungen wurden alte Rohstoffversorgungswege zerschnitten. Zusätzlich wurde während des Krieges nicht in die Modernisierung der Wirtschaft investiert und die heimkehrenden Soldaten konnten nicht ohne weiteres in die Arbeitswelt eingegliedert werden. Die Versorgung der Kriegsgeschädigten (Invaliden, Witwen) bildete ein weiteres Problem für die junge Republik, die ohnehin hoch verschuldet war und nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrags Reparationen zahlen musste.
Die Einnahmen aus Steuern reichten bei weitem nicht aus alle finanziellen Pflichten (Schuldentilgung, Sozialversorgung usw.) abzudecken, daher blieb der Reichsregierung, wollte sie nicht die Unterstützung der Bevölkerung verlieren, nur die Aufnahme neuer Kredite bei der Reichsbank, obwohl man wusste, welche Folgen dies haben musste und dies in der Öffentlichkeit kritisiert wurde. Das heizte die Inflation weiter an. Trotz einer härteren Steuerpolitik unter Finanzminister Erzberger gelang es nur kurzzeitig die Inflation aufzuhalten.
Verschiedene Faktoren (Kreditvergabepolitik der Banken, ungenügende Einnahmen gegenüber den Ausgaben des Staates) steigerten die Inflation in den Folgejahren, bis es nach der Besetzung des Ruhrgebietes zur Hyperinflation kam.

Artikel zum Thema:

Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik (1/4)
Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik (2/4)
Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik (3/4)
Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik (4/4)

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