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Die literarischen Gattungen: Mittlere und Kleinformen der Epik(2/2)

Hier folgen die restlichen Kleinformen der Epik:

Die Anekdote
Erzählt wird in einer Anekdote eine wahre, mögliche oder glaubhafte Begebenheit einer bekannten Person.Ihren Ursprung hat die Anekdote in der Mündlichkeit. Sie wurde bei gegebenen Anlässen erzählt um für eine heitere Stimmung zu sorgen. Erst im 18. Jhd wurde sie verschriftlicht als Charakterbild oder unterhaltende Ergänzung der Geschichtsschreibung. In der französischen Adelskultur war sie schon sehr früh beliebt, in Deutschland gewann sie im 19. Jhd an Bedeutung durch Johann Peter Hebel oder Heinrich von Kleist.

Der Schwank
Der epische Schwank ist eine kleine, komische Erzählung auf eine Pointe hin inszeniert. Sie gibt einen lustigen oder bösartigen Streich wieder. Das Wort 'Schwank' kommt ursprünglich aus der Fechtersprache und bedeutete 'Schlag', 'Streich', 'Hieb'. Die Basis bilden zwei sozial, intellektuell oder sexuell unterschiedlicher Handlungsträger. Erstens stellt sich der Unterlegene dem Überlegenen gleich oder triumphiert sogar über ihn ('Ausgleichstyp') und zweitens scheitert der Auflehnende gegenüber dem Überlegenen und dieser wird noch überlegener ('Steigerungstyp'). Selten kommt auch der Spannungstyp vor, wobei die Spannung unaufgelöst bleibt. Es herrscht somit eine Wettkampfsituation, bei der List gegen List, List gegen Gewalt oder Gewalt gegen List vordergründig eine Rolle spielen. Themen sind Verletzungen sexueller Tabus, sozialer Normen und der Regeln der Logik, die Spannung und Unterhaltungswert steigern.
Im Mittelalter kommt der Schwank in Versform vor. Die frühe Neuzeit weist hingegen umfangreiche Anthologien mit gesammelten Schwänken auf. Geht es in einem Schwank zentral um eine Person, die in den epischen Zusammenhang gestellt wird, nennt man ihn einen 'Schwankroman'.

Die Fabel
Die Fabel ist eine in Versen oder Prosa verfasste kurze lehrhafte Erzählung, in der nicht-menschliche Akteure wie Tiere, Pflanzen oder Gegenstände menschliche Handlungen vollziehen. Sie haben die Fähigkeit zu denken und zu sprechen. Sie ist auf Menschen übertragbar. Die Fabel impliziert eine Moral, die von der geistlichen, ethischen oder politischen Lehrabsicht abhängt.
Bereits in der Antike gab es Fabeln, z.B. von Äsop. Sie gelangte über lateinische Vertreter wie Avianus nach Deutschland. Durch die Belehrung und Unterhaltung wurde sie in der Aufklärung zu einer der dominierenden Dichtungsformen.

Die Parabel
Die Parabel ist ähnlich wie die Fabel ein Verweis auf eine vom Text unterschiedene Bedeutung. Allerdings verwendet sie keine sprechenden Tiere oder Bäume. Sie ist eine erdichtete Beispielerzählung. Die wohl bekannteste Parabel ist die Ringparabel aus "Nathan, der Weise" von G. E. Lessing.
In Deutschland gibt es die Parabel schon seit dem Mittelalter, gewinnt aber erst in der frühen Neuzeit unter dem Namen "Lehrgedicht" an Bedeutung als eigene Erzählgattung. Im späten 18. Jhd wird sie dann begrifflich von der Fabel abgehoben.

Das Gleichnis
Das Gleichnis ist eine erweiterte Form des Vergleichs. Realisiert durch rhethorische und erzählende Mittel. Hier wird eine Beziehung zu einem meist sinnlich-konkreten Bereich hergestellt, damit ein Vorgang oder ein Zustand veranschaulicht wird. Dazu dient der Vergleichspartikel. Vorausgesetzt wird allerdings, dass beiden Vergleichsobjekten ein Moment gemeinsam ist. Berühmt sind die Gleichnisse von Homer und die biblischen Gleichnisse. Darüberhinaus ist das Gleichnis in allen Literaturen und zu allen Zeiten vertreten.

Artikel zum Thema:

Die literarischen Gattungen: Großformen der Epik
Die literarischen Gattungen: Mittlere und Kleinformen der Epik (1/2)
Die literarischen Gattungen: Mittlere und Kleinformen der Epik (2/2)

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