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3Jun/100

Die literarischen Gattungen: Lyrik(2/2)

Sonderformen des Gedichts:

Die Ballade

Die Ballade ist eine regelmäßig gegliederte Gedichtform mit Reim und Tendenz zu festem Metrum. Sie besitzt einen erzählenden Charakter und gestaltet einen begrenzten und klar konturieten Vorgang. Ihr Inhalt sind Handlungen, Begebenheiten oder Schicksale. Unterschieden wird zwischen der mittelalterlichen Volksballade und der modernen Kunstballade, wobei sich die deutsche Volksballade Heldendichtungen, der Geschichte, der Sage und der literarischen Tradition bedient. Weitestgehend zählt hier auch das Erzählgedicht dazu, was ein freier und prosanaher Form auftritt.

Das Epigramm

Das Epigramm ist eine in der Antike entstandene Kleinform. Charakteristisch sind Kürze, Scharfsinnigkeit, Pointierung und Versform. Wörtlich übersetzt bedeutet es Aufschrift und entwickelte sich aus Gebrauchstexten wie Inschriften auf Grabsteinen, Gefäßen oder Weihgeschenken.

Das Lehrgedicht

Das Lehrgedicht zielt auf Belehrung und Wissensvermittlung ab. Zu anderen belehrenden Literaturen wie z.B. die Fabel ist das Lehrgedicht nicht immer klar abzugrenzen. Die Lehrdichtung des Mittelalters umfasst religiöse und moraldidaktische Texte. Vertreter sind zum Beispiel Hugo von Trimberg ("Der Renner") oder Thomasin von Zerklaere ("Der welsche Gast"). Erst in der Aufklärung erreichte die Lehrdichtung epochale Bedeutung. Sie wurden unterstützt von großen Philosophien. In Deutschland war der bedeutendste Vertreter Albrecht von Haller ("Die Alpen", "Die Falschheit menschlicher Tugenden").
Letztendlich führte Friedrich Schiller das Lehrgedicht zu seinem Höhepunkt in Deutschland mit "Der Spaziergang" oder "Das Ideal und das Leben" beide 1795. Auch Goethe schrieb Lehrgedichte wie "Metamorphose der Pflanzen" 1798. Jedoch hat das Lehrgedicht heute keine große Bedeutung mehr. Versuche von Brecht ("Lehrgedicht von der Natur des Menschen" 1945) oder Friedrich Rückert ("Die Weisheit des Brahmanen"1836-1839) scheiterten.

Die konkrete Poesie

Die konkrete Poesie ist eine experimentelle Poesie, die von materiellen Eigenschaften wie Wörter, Silben und Buchstaben ausgeht. Einerseits findet eine Reduktion auf einzelne Elemente und ein Verzicht auf komplexeresprachliche Strukturen und auf Sinnzusammenhänge statt und andererseits eine Erweiterung der Möglichkeiten durch kombinatorische Verfahren und durch Visualisierung und Entgrenzung ins Akustische.
Vorbilder sind die antiken und barocken Figurengedichte sowie Tendenzen des Futurismus, Expressionismus und Dadaismus. Ein Vertreter ist hier Eugen Gomringer ("konstellationen" 1953). In den 50er und 60er Jahren entwickelten sich vielfältige Richtungen und Ausprägungen der konkreten Dichtung von Autoren wie Claus Bremer, Franz Mon oder den Mitgliedern der Wiener Gruppe.

Artikel zu diesem Thema:

Die literarischen Gattungen: Lyrik(1/2)
Die literarischen Gattungen: Lyrik(2/2)

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