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Die literarischen Gattungen: Großformen der Epik

Im folgenden Artikel werden die litarischen Mittel der Epik vorgestellt:

Epik

Die Epik ist eine der drei großen Literaturformen und umfasst prosaisch (nicht versgebunden) sowie in Versform verfasste Texte. Wichtiger Unterschied zur Lyrik ist das erzählende Element. Das Geschehen wird aus Sicht eines Erzählers (Ich- oder Er-Erzähler) wiedergegeben. Ursprünglich bezeichnet die Epik die Kunst des Epos. Mit der Durchsetzung von Prosatexten erweiterte sich das Feld der umfassten Literatur auch auf diese Texte.

Großformen:

Das Epos
Das Epos entstand bereits in der Antike und zeichnet sich durch "eine gehobene Sprache, eine Typisierung der Darstellung (stereotypische Gleichnisse und Formeln, stehende Beiwörter[Epitheton]) und durch die distanzierte, >objektive< Erzählweise und die Gestaltung umfassender zeitlicher, biographischer und weltanschaulich-philosophischer Zusammenhänge gestützter Anspruch auf zeitübergreifende Geltung".(V. Meid, Sachwörterbuch zur deutschen Literatur, S.146) Typisch ist für Epen der in Versen verfasste Text. Beliebte Themen der Antike waren: Helden der Vergangenheit, Darstellung des Weltbildes einer Zeit, Mythen. Im Mittelalter herrschte die Bibelepik vor, Texte von antiken Autoren waren weitgehend unbekannt und deshalb unbedeutend. Zwar gab es von der frühen Neuzeit bis in die Moderne Versuche das Epos wieder aufleben zu lassen, diese blieben allerdings erfolglos. Man kann in dieser Zeit nur noch von einer Randerscheinung des aufkommenden Romans sprechen.

Die Verserzählung
Als Verserzählung bezeichnet man alle kürzeren epischen Dichtungen in Versform insbesondere die des 18. und 19. Jhd. Heute grenzt man die Verserzählung ab von der in Prosa gehaltenen Normalform. Im Mittelalter konnte man diese Differenzierung nicht treffen, sie entstand erst in der frühen Neuzeit im Kontext anderer versepischer Kleinformen und der analogen Prosaformen. Vertreter sind Hans Sachs oder Johann Fischarts.
Als Gattung erhielt die Verserzählung im 18. Jhd durch Friedrich v. Hagedorn, Heinrich Wilhelm v. Gerstenberg und Christoph Martin Wieland Kontur. Hier erfolgte die Trennung von der äsopischen Fabel und der Verzicht auf stoffliche und didaktische Festlegung. Im 19. Jhd gab es dann komische, satirische und novellistiche Varianten der Verserzählung.

Der Roman
Der Roman ist die größte Form des Erzählens in Prosa. Ursprünglich war der Begriff eine romanische Bezeichnung für die Volkssprache und später für die Erzählung in Versen oder in Prosa abgeleitet. Ins Deutsche kam der Begriff erst in der 2. Hälfte des 17. Jhd. In der Antike wird der Roman nicht erwähnt. Es gibt also nur vage Definitionen des Romans. Pierre Daniel: "auß gebundener Rede zu unterrichtung und Lust des Lesers". Friedrich von Blanckenburg: "innre Geschichte eines Menschen". Der deutsche Prosaroman beginnt im Mittelalter neben den Versromanen und den Heldenepen, allerdings bedingt erfolgreich. Erst im 15. Jhd verbreitet sich die Produktion von Prosaromanen, die zunächst nur Übersetzungen und Umformungen umfasste. 1509 entstand der anonyme "Fortunatus" und die Entwicklung gipfelte Mitte des 16. Jhd in den Romanen Jörg Wickrams.
Im Barock übernahm man weiterhin französische und spanische Modelle. Der einzigste Roman aus dieser Zeit mit weltweiter Bedeutung war "Simplicissimus" von Grimmelshausen. Hier wird die Erzählweise in zwei Ebenen wirksam. Es gab jedoch keine kontinuierliche Weiterentwicklung. Wesentlich wurden dann im 18. Jhd die englischen Literaturen, die eine Flut an Nachahmungen auslösten. In dieser Verbindung schrieb Johann Gottfried Schnabel "Insel Felsenburg" (1731-1734). Durch Romane von Henry Fielding entwickelte sich die auktoriale Erzählform., die auch bei "Don Quijote" rezipiert wird.
Im 19. Jhd entwickelte sich dann die Geschichte des Bildungs- und Entwicklungsromans durch Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre" weiter. Somit entstand eine neue Qualität des Romans. In der Romantik erhielt der Roman einen universalistischen Charakter. Er wurde als Inbegriff der romantischen Poesie gehandelt, eine Form, die alle Gattungen, Gefühl und Reflexion, Poesie und Prosa, Ironie und Witz in sich aufnehmen und vereinigen könnte. Durch die historischen Romane von Walter Scott kam ein neuer Romantyp nach Deutschland, den auch Theodor Fontane weiterführte. Hinzu kamen aber auch Zeit- und Gesellschaftsromane, die das Gegengewicht zu den Bildungs- und Entwicklungsromanen in der deutschen bildungsbürgerlichen Tradition bildete.
Soziale Romankunst wurde von Heinrich und Thomas Mann eingeführt, die realistisch erzähltenund eine Tendenz zur Psychologie zeigten. Somit erreichte der deutsche Roman wieder europäisch Bedeutung Anfang des 20. Jhd. Allerdings verlor der Roman dann erneut an sozialer Bedeutung, an dessen Stelle das Streben nach epischer Totalität durch mythische Bezüge, Integration der Wissenschaften, spezifische Erzählweisen und Montagetechniken. Hiergegen stehen die Romane von Franz Kafka, die tendenziell Verdichtungen und äußerste Ökonomie zur Beschreibung der Situation des Einzelnen und Vereinzelten in der Fremdheit der Welt aufweisen. Nach dem zweiten Weltkrieg erlangte der Roman durch Max Frisch oder Günter Grass die modernen Traditionen zurück.
Danach entstanden zahlreiche Werke von ausgesprochener Individualität und Radikalität (Arno Schmidt, Uwe Johnson, Peter Weiss) oder aber auch traditioneller Erzählweisen (Heinrich Böll, Siegfried Lenz, Martin Walser, Christa Wolf).

Das Volksbuch
Volksbuch ist ein von Joseph Görres eingeführter Begriff (in "Die teutschen Volksbücher" 1807). Damit waren Texte verschiedener Gattungen gemeint, die auf ein lange Geschichte zurückblicken konnten und sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert hatten. Allgemein lässt sich sagen, dass diese Texte "fürs Volk" geschrieben wurden, so wurde zum Beispiel die Volkssprache verwendet. Die Auslegung auf den gemeinen Mann zeigt sich auch im vergleichsweise niedrigem Preis, der sich z.B. aus der schlechteren Verarbeitung ergab.

Das Jugendbuch
Das Jugendbuch zählt zu Kinder- und Jugendliteratur und ist dem kindlichen bzw. jugendlichen Verständnis angepasst. Es hat pädagogischen Wert und auch Erwachsenenliteratur etablierte sich zu Jugendlektüre.
Von Kinder- und Jugendliteratur wird erst seit der Aufklärung gesprochen, sie entstand im Zusammenhang mit der Reformbewegung des Philanthropismus aus pädagogischen Impulsen heraus und sorgte für moralische und sachliche Belehrung. Die Lektüre sollte nützlich sein, daher gab es ABC-, Lese- und Fabelbücher sowie Romane, Schauspiele, Gedichte und Zeitschriften. In der Romantik traten volkstümliche Kinderreime, Märchen, Sagen oder Legenden auf. Ende des 19. Jhd kam eine Jugendschriftbewegung auf, die ästhetische Maßstäbe durchzusetzen versuchte. Hierbei spielte auch die Sozialdemokratie eine gewichtige Rolle. Erich Kästner griff zum Beispiel soziale Probleme auf in "Emil und die Detektive".
Im Dritten Reich stellte man die Kinder- und Jugendliteratur in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie. Die BRD grenzte sich von der DDR in dem Punkt der märchenhaft-phantastischen Erzählung ab, wohingegen die Literatur der DDR eher einen Bezug zur gesellschaftlichen Realität aufwies. In den 60er Jahren stellte dann auch Westdeutschland Gegenwartsfragen und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in den Vordergrund. Es entwickelte sich eine spezifische, auf die jeweilige Altersgruppe zugeschnittene, Problemliteratur auch mit politischen Gesichtspunkten. Hierbei kam es also zu einer emanzipatorische Tendenz besonders in der Mädchenliteratur. Dieser kritisch- emazipatorische Geist zeigte sich zum Beispiel in "Peterchens Mondfahrt" (1912) von Gerdt von Bassewitz.

Artikel zum Thema:

Die literarischen Gattungen: Großformen der Epik
Die literarischen Gattungen: Mittlere und Kleinformen der Epik (1/2)
Die literarischen Gattungen: Mittlere und Kleinformen der Epik (2/2)

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