Studentenhelfer.org
3Jun/100

Die literarischen Gattungen: Drama(2/2)

Sonderformen:

Der Schwank

Beim dramatischen Schwank handelt es sich um die Verarbeitung von Schwankstoffen (und mancher Komödien des 15.Jhd-17.Jhd) für die Bühne. Seit dem späten 19.Jhd bezeichnet der Schwank auch auf Situationskomik und Stereotypen basierendes Theater.

Das Volksstück

Das Volksstück ist eine Bezeichnung für ein Bühnenstück für und über das Volk.
Erstmals ist das Volksstück in der zweiten Hälfte des 18. Jhd belegt. Im 19. Jhd setzte es sich beim Verfall des alten Vokstheaters durch. Das Volksstück entstand demnach aus dem Volkstheater der Vorstädte. Begründer für das Wiener Volkstheater ist Joseph Anton Stranitzky. Mitte des 19. Jhd bekam das Volksstück vielfache Züge moralisierende Unterhaltung und mit Ludwig Anzengruber begann das Eigenleben des Volksstückes. In den 20er Jahren des 20. Jhd nahmen die Sentimentalisierung und die zeitkritische Schärfe zu. Das kritische Volksstück der Gegenwart führte wieder den Dialekt als charakteristische Ausdrucksform ein.

Das Lehrstück

Das Lehrstück ist eine Bezeichnung für einen Dramentyp Brechts. Dabei sind kleinere Stücke aus der Zeit zwischen 1929 und 1934 gemeint. Bei diesen Stücken geht es vorrangig nicht um die Aufführung vor Publikum und die Vermittlung der marxistischen Idee, sondern sie sollen beim spielenden Laien (Schüler) durch die Erprobung bestimmter Verhaltensweisen einen Erkenntnisprozess auslösen, welcher zu gesellschaftlich bewusstem Handeln führen soll.

Das Dokumentarstück

Das Dokumentarstück besteht aus nichtliterarischem, authentischem Material. Es erhebt in jedem Fall Authentizitäts- und Wahrheitsanspruch. Der Autor ist arrangiert, montiert und auswählend und der Text unterliegt nicht unmittelbarer Wirklichkeit.
Die heutige Bedeutung des Dokumentarstückes entstand in den 20er Jahren des 20. Jhd in Verbindung mit den avantgardistischen Techniken der Montage und Collage und der verstärkten Politisierung des Journalismus wie der Literatur, obwohl schon im 18. und 19. Jhd erschienen. Die DDR knüpfte an diese Traditionen an, wohingegen sich in der BRD der Zusammenhang mit der Aufarbeitung des NS-Stoffes vollzog und damit das Dokumentartheater seinen Durchbruch hatte.
Beispiele für Dokumentarstücke kommen von Alfred Döblin, Bertold Brecht oder Erich Fried. Die Einführung der Zitatenmontage erfolgte über Erwin Piscator mit "Trotz alledem!" 1925. Bei Interview- und Protokoll-Literatur verliert die Montageform an Bedeutung.

Das absurde Theater

Im absurden Theater wird die menschliche Existenz als absurd dargestellt, wobei man antiillusionistische Ausdrucksformen erprobt. Die Figuren machen keine Entwicklung durch und erscheinen als Marionetten. Die Sprache ist bis zum Verstummen reduziert und hat ihre kommuniative Funktion verloren.
In den 50er Jahren des 20. Jhd gelangte das absurde Theater in Frankreich zu großer Bedeutung durch Eugenè Ionesco oder Arthur Adamov. Wichtigster deutscher Autor ist Wolfgang Hildesheimer.
Voraussetzung für das absurde Theater ist eine als "absurd" erkannte Welt. Es wird nicht die äußere Welt, die Welt der Realität, sondern der seelische Innenraum des Menschen dargestellt. Der Mensch kennt keine Ideale und hat kein Ziel und/oder Halt und ist entsetzlich einsam. Das absurde Theater ist desillusioniert. Die klassischen Kategorien der Einheit der Zeit, des Ortes und der Handlung sind aufgehoben. Es wird viel Pantomime bevorzugt. Die Figuren haben keine Personalität mehr, sondern es sind Typen, besitzen menschliche Eigenschaften und sind in sich gespalten. Menschen reden aneinander vorbei, ihre Worte werden nicht verstanden und gehen ins Leere. Doppelungen, Parallelität, Kreisbewegungen und Rückwendung des Endes in den Anfang sind typisch für das absurde Theater und äußert sich in Figurenpaaren, Wort- und Satzwiederholungen, Situationswiederholungen und in steten, ins Unendliche verlaufende Dialoge ohne Anfang und Ende.

Artikel zum Thema:

Die literarischen Gattungen: Drama(1/2)
Die literarischen Gattungen: Drama(2/2)

veröffentlicht unter: Lexikon Kommentar schreiben