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Die literarischen Gattungen: Drama(1/2)

Ein Drama ist ein für die Theaterbühne konzipiertes Werk, dessen Text hauptsächlich aus der direkten Rede der handelnden Personen besteht. Hinzu kommen häufig knappe Regieanweisungen und Szenenbeschreibungen. Die Rede kann in Vers- oder gar Reimform abgefasst sein. Meist ist ein Drama in mehrere Akte oder Aufzüge, diese wiederum in Szenen gegliedert. Die bekannte Einteilung in Tragödie und Komödidie nach Aristoteles hat sich im Laufe der Zeit weiter ausdifferenziert und zahlreiche Unter- und Mischformen hervorgebracht, die sich bspw. nach Handlung, Figurenkonstellation und Sprechweise richten.

Grundformen:

Die Tragödie

Der Begriff "Tragödie" wurde 1628 von Martin Opitz in die Literaturwissenschaft eingeführt. Die Tragödientheorie des Aristoteles gilt heute noch als "Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter Größe" sowie als "Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt". Gryphius wendet sich im Barock von mythologischen Stoffen ab und behandelt die Historie. Typisch ist ihr moralisch-pädagogischer Charakter sowie ihre Zweckmäßigkeit. Schiller verstand es die Tragödie mit seinen Ideen des Erhabenen und Pathetischen zu verbinden. Auch im 20. Jhd gab es Tragiker wie Hugo von Hoffmannsthal oder Friedrich Dürrenmatt, allerdings gewann hier die Komödie mehr an Bedeutung.
Die moralische Qualität der Tragödie beinhaltet die Nachahmung edlerer Menschen, die sozial einen sehr hohen Stand (Ständeklausel) vertreten. Sie behandelt tragische Ereignisse wie z.B. Mord, Krieg, Streit und/oder Klagen. Weitere Themen sind Machtverlust, Heldentod und am Ende steht die Erkenntnis. Es werden immer echte Personen und Geschehnisse dargestellt und es gibt immer nur eine Handlung. Der Sprachstil weist einen erhabenen und würdevollen Stil auf.
Der Ausgang ist immer bestimmt durch Traurigkeit und Unglück, was aus vorhergehenden Glück resultiert. Allerdings ist das Ende der Tragödie meist absehbar. Formal hält sich die Tragödie an eine strikte Einheit mit 5 Akten und mehreren Aufzügen.

Die Komödie

Im Gegensatz zur Tragödie äußert sich Aristoteles nicht wesentlich zur Komödie; sie gewann erst in der Neuzeit an Bedeutung. In der Anitke bezeichnete man damit Gesang und Gelage. Erst Aristophanes (um 445-385 v.Chr.) wurde zu einem der größten Dichter dieser Gattung. Im Mittelalter kehrte man sich zu den Fastnachtspielen und die antike Komödie verlor an Bedeutung. Erst in der Renaissance im 15. Jhd griff man die Tradition wieder auf. Heute liegt das Augenmerk auf den Komödien des 17. Jhd.
Die Komödie gibt einen erfunden Stoff wieder mit fiktiven Personen und Geschehnissen des alltäglichen Lebens. Sie ist eine Nachahmung einer lasterhaften Handlung, die durch ihr lächerliches Wesen den Zuschauer belustigen und zugleich erbauen soll. Die Personen sind meist von niederen sozialen Stand und sprechen die Sprache des täglichen Umgangs, im Gegensatz zur Tragödie. Inhaltlich geht es um Hochzeiten, Liebe, Zusammenfinden, Leichtfertigkeit, Geize, Spielereien und die gemeinen Leute.
Der Ausgang der Komödie ist immer glücklich und heiter, was Freude hervorruft und Hoffnungen weckt.
Formal ist die Komödie einfacher und lockerer als die Tragödie, die Anzahl der Akte variiert von 3 bis 6. Es gibt viele kurze Auftritte mit vielen kleineren Reden. Sie ist meist in Versen geschrieben, aber es kann auch Prosa vorkommen. Manchmal kann es mehrere Handlungen geben, die parallel laufen, aber irgendwann zusammentreffen, dies erzielt die Wirkung der Kompliziertheit.
Der Zusachauer nimmt in einer Komödie eine besondere Position ein, nämlich die Überlegenden und Durchschauenden. Typisch für eine Komödie ist die Individualisierung, das Lebensgefühl des Autors und die Wirklichkeitsnähe. Teile der Komödie sind die Epitasis (Einführung), die Epitasis (Verwicklung des Geschehens), die Katatasis (Wendung des Verlaufs) und die Katastrophe (Lösung, heiteres Ende).

Die Tragikkomödie

Die Tragikkomödie ist ein Schauspiel, welches komische und tragische Elemente miteinander verbindet. Als "tragico-comoedia" bezeichnete schon Plautus sein "Amphitruo". Diese Mischform gewann besonders in der Renaissance und im Barock an Bedeutung. Johann Christian Gottsched brachte der Tragikkomödie im Klassizismus eine neue Bedeutung bei, die der heutigen entspricht.
Die Durchdringung von komischen und tragischen Elementen bis hin zum Grotesken, wobei die Komik zur Steigerung des Tragischen dient und das Nebeneinander von Komik und Tragik, von Lächerlichem und Erhabenem neuen anthropologischen und existenziellen Erfahrungen entspricht.
In Deutschland präsentierten Autoren wie Heinrich von Kleist, Georg Büchner, Gerhart Hauptmann oder Arthur Schnitzler die Tragikkomödie.

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