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Die attische Tyrannis (3/3)

3.3. Die Söhne des Peisistratos

Nach dem Tod des Tyrannen 528/27 übernahmen seine Söhne Hippias und Hipparchos die Herrschaft über Attika. Sie führten den eingeschlagenen Weg des Vaters fort. Zu entscheidenden Veränderungen kam es in der Zeit ihrer Herrschaft nicht.514 wurde dann bei einem Anschlag Hipparchos ermordet. Ziel der Attentäter, Harmodios und Aristogeiton, war die Tötung beider Herrscher und somit die Beseitigung der Tyrannis gewesen. Hippias, der den Angriff als Bedrohung der Herrschaft betrachtete, sah darin ein Zeichen nun die Zügel härter in die Hand zu nehmen. Viele Mitwisser der Verschwörung wurden hingerichtet. Hippias veränderte seine Politik zu Gunsten der Machterhaltung, so verstärkte er z.B. die Söldnertruppen auf Kosten der Bevölkerung. Mit Hilfe der Spataner versuchte die Opposition nun die unbeliebt gewordene Tyrannis zu stürzen. Der erste Versuch Hippias militärisch zu vertreiben scheitert 512/11. Hippias hatte die Gefahr erkannt und Unterstützung von verbündeten Herrschern erhalten. Der zweite Versuch der Spartaner, diesmal mit einem stärkeren Heer, gelang (510). Hippias, der sich in die Akropolis zurückgezogen hatte, wurde belagert. Als bei einem Fluchtversuch Angehörige seiner Familie gefangen genommen wurden, gab er auf und verlies Attika.

4. Schlussbetrachtung

Betrachtet man die Art der Herrschaft der Tyrannen in Athen, so könnte man glauben, dass ihr Wirken an sich keinen Einfluss auf die Demokratie in Athen hatte. Sie herrschten weder extrem brutal, was den Wunsch nach einer gesellschaftlichen Veränderung noch gestärkt hätte, noch begünstigten sie absichtlich eine demokratische Entwicklung.
Doch schon allein der Fakt, dass man nicht von den extrem fortschrittlichen Reformen Solons abweicht, bringt den Stadtstaat näher an die Demokratie. Wie Solon es beabsichtigte, verursachte der wachsende Wohlstand eine Beruhigung der Verhältnisse. Seine Neugliederung der Gesellschaft und Neuorganisation des politischen Lebens hätte früher oder später dazu geführt, dass das Volk immer stärker am politischen Entscheidungsprozess teil gehabt hätte. Fraglich ist nur ob die adligen Herrscher untätig zugesehen hätten, wenn ihnen langsam das Machtmonopol entglitten wäre. Hier verhindert die Tyrannis ein Eingreifen des Adels. Auch die Entwaffnung, die eigentlich zum Schutz der Tyrannis diente, hat den positiven Effekt, dass sie die Gesellschaftsschichten aneinander angleicht. Der einfache Bürger dürfte erkannt haben, dass nicht nur die gottgewollte, alte Ordnung ein Weg zum Erfolg darstellt und deshalb seinen Geist für Alternativen in der Staatsführung geöffnet haben.
So wird es verständlich, dass der Demos nicht mit Empörung oder Unglauben reagierte als der adlige Kleisthenes, nach Ende der Tyrannenherrschaft, verkündete sich gegen seine Standgenossen zu stellen, um eine Volksherrschaft zu errichten. Das Volk stand hinter ihm und war gewillt die neue Aufgabe anzunehmen. Wenige Jahre zuvor hätte diese Idee wahrscheinlich den Vorstellungshorizont des Volkes überschritten. Doch nach den gesellschaftlichen Veränderung, die in den Jahren zuvor stattfanden, hatte das Volk das nötige Selbstbewusstsein erlangt.

5. Literaturverzeichnis

-H. Berve, Die Tyrannis bei den Griechen, München 1967
-E. Langlotz, Bemerkungen zu der Aufstellung der Tyrannenmördergruppe, erschienen in Gymnasium, S.20-27
-L. de Libero, Die archaische Tyrannis, Stuttgart 1996
-J.F. McGlew, Tyranny And Political Culture In Ancient Greece, London 1993
-O. Murray, Das frühe Griechenland, München 1982
-C.W. Weber, Athen – Aufstieg und Größe des antiken Stadtstaates, Wien 1979

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