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3Jun/100

Die attische Tyrannis (2/3)

3.1. Die solonischen Reformen

Zur Zeit Solons hatte sich an den Spannungen nichts geändert. Das wirtschaftliche Standbein der attischen Bevölkerung blieb die Agrarwirtschaft, obwohl die Einseitigkeit dieses Wirtschaftssystems erst zu den Problemen dieser Zeit führte.
Als „Schlichter“ wurde 594 Solon durch die beiden verfeindeten Parteien, Demos und Adel, gewählt und eingesetzt. Radikal veränderte er die Gesellschaft. Schulden wurden aufgehoben, die Leibeigenschaft abgeschafft. Dem bürgerlichen Forderung nach Neuverteilung des Bodens kam er allerdings nicht nach.
Damit diese sozialen Veränderungen nicht wirkungslos blieben, musste auch ökonomische Änderungen vorgenommen werden. Als krisenfestere Alternative zum Ackerbau stärkte Solon den Import und Export. Die Bevölkerung Athens war dadurch nicht mehr vollständig abhängig von erfolgreichen Ernten. Diese Konzentration auf Handel mit anderen Regionen brachte ´neue´ Wirtschaftszweige hervor. Waren bisher hauptsächlich die Bauern wichtig, so konnten jetzt auch Handwerk und Händler sich entwickeln. Beides unterstützte er mit Gesetzen. Eltern waren nun dazu gezwungen ihren Söhnen eine handwerkliche Ausbildung zukommen zu lassen. Handwerkern und Händlern, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, sicherte er die Bürgerschaft zu, sollten sie sich in Athen ansiedeln.
Wichtig ist auch die Veränderung des politischen Mitspracherechts der Bevölkerung. Solon löste sich vom Geburtsrecht der Aristokratie und führte ein System ein, dass die Mitsprache über den Besitz regelte.1 Jedem Bürger wurde dadurch ein Mitwirken an politischen Entscheidungen ermöglicht, ohne die Herrschaft der Aristokraten in Frage zu stellen. Da sie den größten Besitz hatten, blieb ihnen auch der größte politische Handlungsspielraum.Bemerkenswert ist, dass Solon nie selbst nach der Macht des Tyrannen strebte obwohl er in seiner Position keine Probleme bei der Errichtung einer Tyrannis gehabt hätte. Sein Ziel war es, sie zu verhindern.

3.2. Die Tyrannis unter Peisistratos

Als sich kurz (2-3 Jahre) nach den Reformen nichts geändert hatte, wurde die attische Bevölkerung ungeduldig. Der Staat fiel wieder in chaotische Zustände zurück und begünstigte erneut den Versuch eines Adligen sich zum Tyrannen aufzuwerfen. Damasias, 582 zum Archon gewählt, nutzte seine Position und die Wirren dieser Zeit aus, um seine Amtszeit, gesetzlich 1Jahr, nach eigenem Ermessen zu verlängern. Seine Standesgenossen bemerkten die Gefahr und schafften es ein letztes Mal, mit Hilfe der Hopliten, die Tyrannis zu verhindern. Der Wunsch sich selbst zum Tyrannen zu machen, blieb aber erhalten. In den nächsten Jahren bildeten sich 3 Parteien [Pedaiker(Bewohner der Kephisos-Ebene), Paralier(Küstenbewohner), Diakrier oder Hyperakrier(Bewohner des östlichen Gebirgslandes)], deren Führer es sich zum Ziel gemacht hatten, die Macht zu ergreifen. Dabei versuchten sie jetzt auch das Volk auf ihre Seite zu bringen. Führer der Diakrier war Peisistratos, ein Adliger, der sich durch militärische Erfolge Ansehen erworben hatte. Durch einen fingierten Attentatsversuch, bei dem er sich selbst verletzte, gelang es ihm erstmals die Macht an sich zu reißen. Zu seinem Schutz bekam er eine Keulenträgerleibwache gestellt. Mit Hilfe seiner Anhänger und der Leibwache besetzte er die Akropolis (wahrscheinlich 561/60). Die vorher verfeindeten Pedaiker und Paralier verbündeten sich gegen den Alleinherrscher und stürzten ihn. Peisistratos, der sich nicht gegen die solonische Ordnung gestellt hat, wurde nicht aus Athen vertrieben.
Die 3 Parteien blieben bestehen, im Laufe der Zeit löste sich das Zweckbündnis zwischen Pedaikern und Paraliern. Peisistratos knüpfte ein Bündnis mit den Paraliern, indem er die Tochter ihres Anführers Megakles heiratete. Gestärkt durch dieses Bündnis schwang sich Peisistratos erneut zum Tyrannen über Athen auf. Streitigkeiten zwischen dem Tyrannen und Megakles führten aber dazu, dass dieser wieder die Seiten wechselte. Ohne diese Unterstützung konnte sich Peisistratos allerdings nicht gegen seine Gegner behaupten, wurde erneut gestürzt und nun auch vertrieben.
Doch sein Ziel, die Herrschaft über Athen zu gewinnen, gab er nicht auf. Im Exil baute sich der Vertriebene eine neue Machtbasis auf. In Rhaikelos, einer eretrischen Kolonie, wuchs sein Vermögen durch die Gewinnung von Bodenschätzen. Dieser Reichtum ermöglichte es ihm Söldner für sein Vorhaben zu rekrutieren.
539 kehrte er dann nach Athen zurück: Mit Hilfe der Söldner und seiner alten Anhängerschaft gelang es nun endgültig seine Alleinherrschaft durchzusetzen. Während seiner Herrschaft hielt er sich an die solonischen Reformen und förderte deren Durchführung. Wie von Solon erwartet, blühte die Stadt auf, die sozialen Spannungen verminderten sich durch den steigenden Reichtum. Gewinner der Herrschaft des Peisestratos war vor allem das einfache Volk, Verlierer die Aristokratie. Wie das einfache Volk wurden auch die Aristokraten zum Schutz der Tyrannis entwaffnet, was ihnen ihre militärische Macht nahm. In ihrer Position als Richter wurden sie von neu eingeführten „Demenrichtern“ ersetzt. Zur Wahl für führende Ämter der Polis konnten sich nur noch Familienmitglieder oder Verbündete des Tyrannen stellen. Zusätzlich wurde den Adligen durch aufsteigende Händler und Gewerbetreibende ihre ökonomische Überlegenheit streitig gemacht. Die Macht des attischen Adels war gebrochen, das Volk hatte ihren Glauben an die alte, „gottgewollte Ordnung“ verloren.

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