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3Jun/100

Die attische Tyrannis (1/3)

1.Einleitung

Als Tyrannis bezeichnet man eine diktaturartige Herrschaftsform in Griechenland, die etwa vom Ende des 7.Jhd v. Chr. bis in die hellenistische Zeit auftrat.
Diese Arbeit handelt von der attischen Tyrannis und welchen Einfluss sie auf die weitere Entwicklung des Stadtstaates hatte. Bemerkenswert ist ja vor allem der Wandel von einer aristokratisch geführten Gesellschaft zur Demokratie. Welche Rolle hatte die Tyrannis dabei inne? Um diese Frage zu klären, muss man die Vorgeschichte und die Geschichte der attischen Tyrannis kennen. Zur Untersuchung dieser Geschichte stehen der Wissenschaft allerdings nur wenige glaubhafte Quellen zur Verfügung. Hauptsächlich bezieht sich die Forschung auf nicht zeitgenössische Berichte. (z.B. Aristoteles oder Herodot) Das Problem hierbei ist, dass sich im Laufe der Zeit die Berichte verändern und neu bewertet werden. Trotzdem ist es gelungen, vor allem im Fall der attischen Tyrannis, ein gutes Bild der Vorgänge zu erstellen.

2. Die ältere Tyrannis im Allgemeinen

Die ältere Tyrannis entstand aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen im 8. bis 6.Jhd. v. Chr. Adligen Herrschern, denen bisher Herkunft und Ruhm wichtig gewesen waren, strebten nun nach Macht und Reichtum. Man versuchte möglichst viel Einfluss auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens zu bekommen. Leidtragende dieser Entwicklung war die einfache Bevölkerung, welche keinen Schutz vor der herrschaftlichen Willkür hatte. Ein geschriebenes Rechtssystem gab es noch nicht. Ein hartes Schuldrecht führte zur Enteignung und Leibeigenschaft. Grundbesitzer, die nicht in die Leibeigenschaft gerieten, bewaffneten sich und bildeten die Hopliten. Diese Truppen wurden, da sie das Militärmonopol des Adels schwächten, einen neuen Machtfaktor. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurden sie unverzichtbar. Diese Schwächung des Adels und die gleich bleibend schlechte Situation des Volkes verstärkte den Wunsch nach einer gerechteren Ordnung. Da man den Herrschaftsanspruch der Aristokraten noch nicht in Frage stellte, wurde es für einzelne Adlige durch Ausnutzung der Wünsche des Volkes leicht sich über ihre Standesgenossen zu erheben.

3. Die Tyrannis in Athen

Wichtig für das Verständnis der attischen Tyrannis ist die Betrachtung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen in Attika. Existenzgrundlage der Region war im 7.Jhd die Landwirtschaft. Wie im übrigen Griechenland auch herrschten Aristokraten unangefochten. Da es kein geschriebenes Recht gab, konnten sie willkürlich über ihre Untertanen entscheiden. Eine harte Durchsetzung des Schuldrechtes hatte große Teile der Bevölkerung in die Abhängigkeit gebracht. Missernten zwangen die Bauern zur Aufnahme von Krediten auf ihr Land, später auch auf sich selbst aufzunehmen und waren so in Abhängigkeit geraten. Gewinner dabei war der Adel, der durch seinen Reichtum in der Lage war Kredite zu geben.
Die Konzentration des Besitzes in wenigen Händen sorgte Ende des 7.Jhd. für starke Spannung und dem Wunsch nach Veränderung. Hinzu kamen Berichte über alternative Herrschaftssysteme in griechischen Kolonien.
Mit Unterstützung der geknechteten Bauernschaft und der Hopliten wäre es leicht für einen ehrgeizigen Adligen sich selbst über seine Standesgenossen zu erheben. Der erste Versuch eine Tyrannis zu errichten, durchgeführt durch Kylon, begründete sich aber noch auf egoistischer Machtgier ohne die Unterstützung des Volkes gewonnen zu haben. Daraus resultiert Kylons Scheitern.
Zwischen 636 und 624 v. Chr. besetzte Kylon zusammen mit seinen Anhängern die athenische Akropolis, konnte sich aber gegen die Belagerung durch seine Standesgenossen und Hopliten nicht durchsetzen. Die Aufständischen wurde Schonung versprochen, falls sie sich ergeben sollten. Dieses Versprechen wurde nicht eingehalten, die Anhängerschaft Kylons ermordet.Die Angst des Adels vor einer Tyrannenherrschaft brachte die Einsicht mit sich, dass Veränderungen nötig waren um den Fortbestand der bisherigen Ordnung zu sichern. Erster Schritt dazu war die Niederschrift geltenden Rechts durch Drakon. Zwar änderte sich dadurch nicht viel an der Lage des Volkes, das weiterhin arm blieb aber eine willkürliche Rechtsprechung wurde unterbunden. Die Spannungen zwischen herrschender Klasse und einfacher Bevölkerung blieben bestehen.

Artikel zum Thema:

Die attische Tyrannis (1/3)
Die attische Tyrannis (2/3)
Die attische Tyrannis (3/3)

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